2020 liegt jetzt also hinter uns. Zeit, Bilanz zu ziehen. Nein, ich meine nicht Corona, sondern meinen CO2-Fußabdruck. Irgendwann hatte ich angefangen, meine Flugreisen zu kompensieren, inzwischen kaufe ich meinen dreiköpfigen Haushalt frei. Dafür kann man einfach auf eine der Seiten gehen, die Google einem vorschlägt. Oder man macht sich drei Gedanken mehr und guckt sich an, was es alles gibt.

Wir werfen hier einen Blick auf die Fragen

  • Wie kann ich meine Emissionen berechnen?
  • Was kaufe ich da eigentlich, wenn ich kompensiere?
  • Auf welche Arten kann kompensiert werden und welche Projekte sind besonders sinnvoll?
  • Impact investment als Alternative

 


Wie kann ich meine Emissionen berechnen?

Nach den aktuellsten Zahlen des Umweltbundesamts (UBA) liegt der deutsche Durchschnitt bei 11,17 t CO2e – das wird für 2020 dank weggefallener Urlaubsflüge und deutlich eingeschränkter Mobilität sicher ein Stück nach unten gehen. Schon, um mehr über den eigenen Fußabdruck zu erfahren, lohnt es sich aber, eine genauere Berechnung anzustellen. Empfehlung ist der UBA-Rechner, der einerseits sehr detailliert ist und trotzdem in maximal 10 Minuten ausgefüllt, wahlweise mit exakten Daten oder Durchschnitten. Das, was rauskommt, ist eine Orientierung (jeder Rechner wird eine andere Gesamtsumme ausspucken, das ist stark abhängig von der Methodik), aber eine solide Orientierung.

Ergebnisseite CO2 Rechner Umweltbundesamt


Was kaufe ich da eigentlich?

Offsetting oder Kompensation heißt erstmal einfach, ich bezahle Geld dafür, dass jemand anderes die Emissionen einspart oder bindet, die ich verursacht habe. Dafür wie das umgesetzt und garantiert wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die gängigste im Privatbereich sind Verified Emission Reductions (VERs): Emissionsreduktionen, die von einer unabhängigen Stelle nach einem bestimmten Standard überprüft wurden. Die sehr ausführliche Broschüre des UBA zu freiwilligen Emissionen fasst alle wichtigen Fragen und Antworten zusammen.

Daneben gibt es den sogenannten Verpflichtungsmarkt, hier sind nur Emissionsreduktionen zugelassen, die nach dem Clean Development Mechanism (CDM) und der Joint Implementation (JI) nach dem Kyoto-Protokoll zertifiziert sind. Auch Privatpersonen können direkt über die UN ohne Vermittlungskosten an die Projekte spenden. Trotz scheinbar höherwertigerer Zertifizierung ist ihre Güte nicht unumstritten. Neben den gehandelten Emissionsreduktionen gibt es im Verpflichtungsmarkt zusätzlich Emissionsrechte. Der EU Emissionsrechtehandel (EU ETS) ist der erste grenzüberschreitende und weltweit größte. Wie der Name schon sagt, geht es hier nicht um Einsparungen, sondern um Emissionsrechte für die größten Emittenten, deren Volumen limitiert ist und kontinuierlich verknappt wird. Wird nun ein Zertifikat gekauft und gelöscht, ohne dass die Emissionen ausgestoßen werden, muss defacto eine Tonne weniger emittiert werden. Auf dieses Prinzip setzt das Startup ForTomorrow auf.

Und zusätzlich gibt es natürlich auch Angebote, die gar nicht offiziell zertifiziert oder verifiziert sind. Sie sind nicht prinzipiell weniger vertrauenswürdig, denn wie bei allen Siegeln gilt: Es ist für die Projekte meist (insbesondere initial) mit hohen Kosten verbunden. Ich kenne mehrere Initiativen, die ihre Reduktionsberechnungen lediglich von kompetenter Seite absegnen lassen und direkt anbieten.

 


Wie kann kompensiert werden und welche Projekte sind besonders sinnvoll?

ClimatePartner untergliedert die Möglichkeiten anschaulich in drei Bereiche:

⚡ Green Energy
jede Form von Ablösung fossiler bzw. Atomenergie durch nachhaltige Energiequellen

🌳 Nature Based Solutions
Waldschutz, Aufforstung, Blue Carbon, Landwirtschaft

🔥 Social Impact
Fuel-efficient Cookstoves, Sauberes Trinkwasser, Kleinbiogasanlagen

Die jeweiligen Ansätze sind sehr umstritten. Der sicherlich bekannteste Anbieter, atmosfair, bietet beispielsweise keine Pflanzprojekte an. In meinen Augen gibt es drei besonders sinnvolle Projektbereiche: Waldschutz, saubere Kochöfen und sauberes Trinkwasser.

 


Waldschutz

Wir sind davon überzeugt, dass Projekte insbesondere dann funktionieren, wenn sie selbst wirtschaftlich sind. Das kann für die meisten genannten Möglichkeiten zur Emissionsreduktion gegeben sein – für den Waldschutz aktuell nicht (genau hier setzt ja auch REDD+ an). Er ist abhängig von externer finanzieller Förderung. Gleichzeitig erfüllen die bestehenden Urwälder neben ihrem Wert als CO2-Speicher ein Vielfaches an Umweltleistungen und ihre Vernichtung ist ab einem gewissen Zerstörungsgrad unwiederbringlich. Damit sind Waldschutzprojekte in meinen Augen besonders sinnvoll.

Waldschutzprojekte als direktes Kompensationsangebot zu finden, ist allerdings gar nicht so einfach. Ich kenne es für Unternehmen (z.B. via ClimatePartner) und ansonsten nur indirekt: als Spende für Regenwaldschutzprojekte ohne Angabe eines verbundenen Offsettings (z.B. NABU, Retttet den Regenwald oder Oro Verde) oder aber in Form von Pflanzprojekten, die so entworfen sind, dass sie den Druck auf die Wälder vermindern (z.B. fairventures).

Fog over landscape in panamaLandschaft in Panama


Fuel-efficient cookstoves

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung kocht zuhause mit festen Brennstoffen wie Holz, Holzkohle oder landwirtschaftlichen Abfällen. Das führt einerseits in vielen Regionen zu zunehmender Entwaldung, andererseits schätzt die WHO, dass jährlich knapp 4 Millionen Menschen durch die Folgen der Raucheinwirkung sterben. Auf die weltweit häufigste Infektionskrankheit Malaria gingen in der Spitze nach Computermodellen 1,8 Mio. Sterbefälle in 2004 zurück.

Changu Changu Moto Herd von Ripple Africa im Einsatz

Das langfristige Ziel muss natürlich sein, dass Brennstoffe verwendet werden, die sauber verbrennen und ressourcenschonend sind, wie Biogas oder Solarenergie. Ein Zwischenschritt sind Kochherde, die weniger Energie benötigen und rauchärmer sind. Hier hat die Zertifizierung doppelt Sinn, ich höre nämlich immer wieder von Projekten, die scheitern, sobald der Support wegfällt. Die jährlichen Stichproben bedeuten, dass die Projekte kontinuierlich begleitet werden. Ripple Africa, die im Norden Malawis arbeiten, benötigen für ihre Lehmkocher quasi kein Geld – es fließt alles in die Community Manager und so kann eine extrem hohe Stabilität erreicht werden (auch von der UN-zertifiziert).

 


Impact Investment als Alternative

Eine Alternative zum Freikaufen ist die Investition von Unternehmen, die Reduktionsprojekte wirtschaftlich umsetzen. Der Vorteil hier ist zum einen, dass durch das wirtschaftliche Agieren genau das Problem des Scheiterns der Projekte nach Versiegen der finanziellen Unterstützung eleminiert ist. Und andererseits natürlich, dass das Geld nicht einmalig gespendet wurde, sondern – hoffentlich – rentabel angelegt. Zwei Beispiele:

  • Africa GreenTec baut und betreibt Off-Grid Solarsysteme im östlichen Subsahara-Afrika. Sie lösen damit Dieselgeneratoren ab und ermöglichen das Entstehen und Vergrößern von KMUs. Für Skalierung und weitere Innovationen ihrer Lösung vergibt das Unternehmen Anteile im Crowdfunding-Modell. 250 € Investment spart nach eigenen Angaben pro Jahr ca. 70 kg CO2e ein mit einer Garantie von 20 Jahren Laufzeit. Eine Kompensation von 10 t CO2e bedingt also eine Investition von 1.800 € – allerdings mit CO2-Kredit auf 20 Jahre.
  • enyway arbeitet ähnlich wie fairventures mit schnellwachsenden Plantagen in Indonesien, bietet aber eine Beteiligung von 4,25%. 140 € Investition kompensieren 5 Jahre lang je eine Tonne. Entsprechend kompensiert man für 1.400 € fünf Jahre lang 10 t CO2e.

Bei betterplace und bettervest finden sich viele weitere Möglichkeiten, kleine und große Projekte direkt zu unterstützen. Allerdings muss man hier genau hingucken: Bei bettervest findet sich z.B. die Firma burn, die energieeffiziente Kochherde in Kenia produziert und auch im ClimatePartner-Portfolio vertreten ist. D.h. über ein Darlehen an burn ist es möglich, am Verkauf der VERs mitzuverdienen – aber es fehlt dann natürlich die Neutralstellung, die ja weiterverkauft wurde.

 


PS: Wissen und Netzwerkkontakte geben wir bei Bedarf gerne weiter. Im Programm One Crew | One Tree managen wir beispielsweise die Auswahl der Pflanzprojekte für unsere Projektpartner.

Autor: Kristina Huch

Die Panterito Stiftung feiert Jubiläum. 10 Jahre oder 3.653 Tage – unser Panther blickt damit inzwischen auf eine kleine Historie zurück, die sich grob in drei Phasen teilt:

2010-2016

Anstoß zur Gründung war der Wunsch von Stifter Simon Stürtz, etwas Bleibendes zu schaffen und sich aktiv insbesondere im Waldschutz zu engagieren. Das Aufforstungsprojekt, das daraufhin als erstes Projekt von Panterito in Panama finanziert wurde, ist über die Zeit auf 6,5 Hektar angewachsen. Parallel zum Themenbereich Wald wurde mit Local Soda das erste Projekt im Bereich Wasser, genauer: Förderung von Leitungswasserkonsum, realisiert.

2017-2018

Die Aufforstungsaktivitäten in Panama sollten deutlich ausgebaut werden. Wegen Rückschlägen in der Partnersuche vor Ort und aus personellen Gründen ging die Vorbereitung für das Großprojekt schleichend über in einen kurzen Dornröschenschlaf.

2019-2020

2019 wurde die Stiftung mit leicht erweitertem Team wieder aktiv und hat die ersten Grundsteine für den Neuaufbau gelegt. Zwei weitere Projekte im Bereich Wald, aufgehängt am verbindenden Programm One Crew | One Tree, sowie die Förderpartnerschaft der Wasserwende sind dazugekommen. Aktuell arbeiten wir am nächsten Schritt: Nach mehreren Projektförderungen wieder ein selbst initiiertes Projekt zu starten.

Was sich in den zehn Jahren nicht geändert hat, ist die Entscheidung, eine kleine Organisation zu bleiben mit kleinem, eng verbundenem Team und kurzen Wegen, die nicht überfomalisiert und -bürokratisiert werden wollen. Gleichzeitig liegt genau darin der Grund, warum es manchmal nicht so schnell voran geht, wie wir gerne hätten, da die ehrenamtlichen Zeitkapazitäten einfach beschränkt sind. Das Coronajahr 2020 hat für unser Team zusätzliche zeitliche Einschränkungen bedeutet.

Was wir Panterito daher zu allererst zum Geburtstag schenken, ist, dass der nächste Jahresbericht auch einen ´failure report´ enthalten soll. Der logische nächste Schritt nach dem Anschluss an die Inititative Transparente Zivilgesellschaft dieses Jahr, mit dem Zielt, (insbesondere strukturelle und prozessuale) Schwachstellen zu identifizieren, transparent zu machen und Weiterentwicklung zu sichern.

Und wir hoffen, das zweite Geburtstagsgeschenk folgt dann Anfang des nächsten Jahres – alle Weichen für das Projekt sind bereits gestellt, wir haben uns aber entschlossen, es nicht auf Termin durchzudrücken, sondern ihm die benötigte Zeit einzuräumen. Wer auf zehn Jahre zurückblicken kann, kann auch noch einen Monat abwarten ;O)

Happy birthday, Panterito!

Die meisten von uns werden Weihnachtsgeschenke kaufen. Und sehr viele werden das in dieser Zeit sinnvollerweise online tun. Ein kleiner Umweg macht es möglich, dabei noch einen Mehrwert zu schaffen:


Wer vom Portal WeCanHelp aus zum jeweiligen Onlineshop geht, generiert so automatisch Spenden für eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl. Über 6.000 Onlineshops – darunter die meisten großen – machen mit, so dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass der, bei dem ihr einkaufen wollt, dabei ist. Die Spende ist dabei vergleichbar mit dem Vermittlungsbonus, wenn ihr auf Empfehlungen in einem Blog klickt. Die Höhe schwankt je nach Shop und Kaufbetrag, liegt aber durchschnittlich bei 6%, was recht viel ist, wenn wir an den Umsatz denken, der im Weihnachtsgeschäft zusammenkommt. Jeder sollte dabei selbst entscheiden, wann sich der kleine Umweg lohnt.

Es entstehen auf diesem Weg keine Zusatzkosten. Man muss sich nicht anmelden. Ich musste bei meinem Test keine Werbeblocker aufheben. Es sind sehr viele Organisationen wählbar, sowohl die großen wie WWF und Oxfam als auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der Turnverein oder der DRK-Ableger bei dir um die Ecke.

Nur eine kleine Warnung: Die Seite ist leider unendlich hässlich, aber man will sich da ja auch nicht aufhalten.*

Anleitung:
– Link oben klicken (Panterito ist dann schon vorausgewählt)
– Online-Shop suchen, in dem ihr einkaufen wollt, auswählen und ganz normal einkaufen. Einzige Bedingung: der Warenkorb darf nicht vorher schon gefüllt sein, aber das ist ja klar…

 

Wir freuen uns, wenn ihr dran denkt und den kleinen Umweg geht!

 

*Für einen Frontenddesigner in Kurzarbeit vielleicht eine lohnenswerte Aufgabe… Kennst du einen?

Wir haben uns der Initiative Transparente Zivilgesellschaft von Transparency International Deutschland angeschlossen und veröffentlichen ab sofort grundlegende Informationen über unsere Arbeit. Warum? Weil Offenheit der Grundstein für jede gute Beziehung ist.

Zivilgesellschaftliche Organisationen sind steuerbegünstigt, wenn sie der Gesellschaft nützen, also gemeinnützig sind. Um diesen privilegierten Status zu halten, muss in regelmäßigen Abständen berichtet werden – allerdings nur der jeweiligen zuständigen Behörde bzw. dem Finanzamt. Es gibt keine Verpflichtung, grundlegende Informationen wie Finanzierung und Aktivitäten der Organisationen auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Weil das die Glaubwürdigkeit von NGOs gefährdet, hat Transparency International Deutschland 2010 die Inititative Transparente Zivilgesellschaft ins Leben gerufen. Unterzeichner der Initiative veröffentlichen einheitliche Angaben wie Satzung, Mittelherkunft und -verwendung, Aktivitätsbericht, Personalstruktur und Verantwortliche – und halten diese aktuell. Die Anforderungen sind bewusst niedrig gehalten, um den zusätzlichen Aufwand überschaubar zu machen und auch kleinen Organisationen keine Hürden in den Weg zu legen. Größere Organisationen sind explizit dazu aufgerufen, weitergehende Informationen zur Verfügung zu stellen.

Wichtig dabei: Das ITZ-Logo verbürgt dabei nicht die Richtigkeit der Angaben, da keine Prüfung erfolgt, und sagt auch nichts darüber aus, ob die Mittel satzungsgemäß und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Es ist vielmehr ein Zeichen für Offenheit und Kommunikationsbereitschaft, denn die interessierte Öffentlichkeit kann sich informieren und Fragen stellen – werden diese nicht beantwortet und Angaben gegebenenfalls richtiggestellt, wird das Logo entzogen.

> Und hier geht´s zu unserer Transparenz-Seite

Die Energiewende vorantreiben, Infrastruktur als Grundstein für Wertschöpfung schaffen, Fluchtursachen bekämpfen – und damit Geld verdienen. Africa GreenTec vereint all diese Aspekte und lädt ein, per Crowdfunding an ihrem (Sozial)Unternehmen teilzuhaben. Panterito ist dem Aufruf gefolgt und stellt euch daher Arbeit und Ziele von Africa GreenTec vor.

Kern sind die Solartainer: Plug & Play Solaranlagen – PV-Panele mit insgesamt 50 kWp plus Batterie – in Containern. Sie bringen Strom in Gebiete in Subsahara-Afrika, die nicht an ein öffentliches Netz angeschlossen sind. Africa GreenTec ist hauptsächlich in Mali und Niger aktiv, Anlagen im Senegal sind gerade in der Vorbereitung. Diese Länder bewegen sich am unteren Ende des Human Development Index und haben mit politischer Instabilität und starkem Einfluss terroristischer Gruppierungen zu kämpfen. Gerade die schwierige Situation heißt bei erfolgreicher Umsetzung, dass ein großer Impact erreicht wird.

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Die Kosten für den Bezug des Solarstroms von Africa GreenTec liegen deutlich unter den Kosten für Diesel und sind damit für jeden attraktiv. Hauptsächlicht zielt das Unternehmen allerdings auf Betriebe, kleine und mittlere, die durch die neuen Möglichkeiten gegründet werden oder ihre Produktivität erhöhen können. Der Handwerksbetrieb, der ab sofort ein Schweißgerät mit 3 kW einsetzen kann. Das Internetcafé, das vom mitgelieferten Anschluss ans weltweite Netz profitiert. Diese mittelständischen Betriebe schaffen Mehrwert, Wachstum und Arbeitsplätze. Africa GreenTec befähigt sie und leistet damit in der Sekundärwirkung auch Armuts- und Migrationsbekämpfung. Ihren SDG-Impact stellt das Social Business anschaulich auf der Webseite dar. Als Entwicklungshilfeorganisation will es aber explizit nicht gesehen werden:

Africa GreenTec positioniert sich eben nicht als Charity Organisation, sondern wir verlangen Geld für unsere Dienstleistungen. Das heißt, in Mali und Niger verkaufen wir Strom, Internetzugänge und Kühlsysteme und die Menschen müssen dafür Geld bezahlen – einen fairen Preis, der deutlich unter dem liegt, was sie für Diesel ausgeben müssen. Aber diese Partnerschaft auf Augenhöhe, die ja in der Politik gerne propagiert wird, die leben wir von Anfang an.

Torsten Schreiber, Gründer und CEO

Inzwischen versorgen 20 Anlagen mit je 5-7 km Stromnetzen knapp 25.000 Menschen fast rund um die Uhr mit Strom. Die eigentliche Expertise des Unternehmens liegt nach eigener Aussage in der Planung, Steuerung, Messung und dem Betrieb der Inselnetze in den Extremregionen. Technisch sind sie mit Smart Metern, die flexibel per Fernzugriff tarifiert werden können, auf neustem globalen Standard. Damit bietet Africa GreenTec genau das Know-how und die Technik, die nach einer Weltbankstudie für den anstehenden Ausbau von Off-Grid-Anlagen benötigt wird. Der Bedarf an Minigrids liegt demnach weltweit bei 210.000 – Mitte 2019 waren in Afrika etwa 5.500 errichtet oder in Planung, Tendenz stark steigend. Mit der Behörde für die ländliche Elektrifizierung in Niger gibt es schon Vereinbarungen über weitere 50 Anlagen. Insgesamt haben in Subsahara-Afrika immer noch 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität.

Für diese kommende Skalierung wird Kapital benötigt. Aus der Geschichte von Torsten Schreiber liegt der Crowdfundingansatz nahe (so kam er überhaupt erst zusammen mit seiner Frau Aida auf einem unvorhergesehenen Umweg zur Idee für Africa GreenTec → hörenswerte Geschichte z.B. hier). Die Kampagne ist im Mai gestartet. Nach aktuellem Stand haben sich 284 Investoren mit 650.000 € beteiligt. Da ist noch einige Luft nach oben. Die Laufzeit ist unbegrenzt. Für seine Investition erhält man Genussrechte und wird darüber direkt an der Wertsteigerung des Unternehmens und dem Bilanzgewinn beteiligt. Man muss nur etwas Geduld mitbringen – außer es kommt zu einem Exitereignis.

Um die Idee möglichst weit zu streuen, betreibt Africa GreenTec eine sehr aktive Kommunikation: Torsten Schreiber scheint von Interview zu Interview zu springen. Aber auch der facebook- und der linkedIn-Kanal des Unternehmens bieten regelmäßig spannende Hintergründe auch über die eigenen Projekte hinaus.

Bilder: Africa GreenTec

Wir haben sie alle schon gesehen, die bunten Kacheln der Sustainable Development Goals (kurz SDGs). Sie fallen ins Auge, prägnant designed, gehören zu den UN-Nachhaltigkeitszielen – soviel ist den meisten bekannt. Weil sie ab jetzt auch auf unseren Projektseiten zu sehen sind, blicken wir etwas tiefer und erläutern die Hintergründe.

Was sich hinter dem Begriff Sustainable Development Goals verbirgt

Die SDGs sind die Ziele für eine nachhaltige globale Entwicklung bis 2030, die sich die 195 Länder der Vereinten Nationen gesetzt haben. Sie sind in der Agenda 2030 festgehalten, die am 01.01.2016 in Kraft getreten ist und eine Laufzeit von 15 Jahren hat, bis 2030 also.

Die 17 Ziele werden in 169 Unterzielen konkretisiert und ihr Fortschritt wird über 244 festgelegte Indikatoren gemonitort und jährlich berichtet (Vollständige Resolution in der deutschen Fassung, ab S. 15 Liste mit Zielen und Unterzielen).

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Warum die Einigung auf die SDGs ein wichtiger Schritt war

Eine Einigung unter 195 Ländern, die nicht als der kleinste gemeinsame Nenner völlig verwässert ist, ist per se schon bemerkenswert. Der Untertitel der Agenda 2030: „Transformation unserer Welt“ macht deutlich, dass der Blick auf Großes gerichtet ist.

Die SDGs heben sich tatsächlich in mehreren Punkten von ihren Vorgängern, z.B. den Millennium Goals, ab:

  • Sie umfassen erstmalig nicht nur die soziale Entwicklungsdimension, sondern gleichwertig ökonomische und ökologische Aspekte.
  • Sie gelten nicht nur für die Entwicklungsländer, sondern für alle Staaten gleichermaßen.
  • Zur Messbarmachung der Ziele werden weitreichende Daten gefordert. Davor wurden lediglich vorhandene Daten der nationalen statistischen Ämter berücksichtigt. (Was nicht heißt, dass die geforderten Daten auch geliefert werden.)

Die Ziele sind hoch gesteckt und damit eine sehr gute Ausgangslage. Nach gut einem Drittel der gesetzen Laufzeit wird allerdings von verschiedenen Seiten die Vermutung laut, dass die historische Zielsetzung letztlich doch nur ein Lippenbekenntnis war.

Wie der Stand der Umsetzung ist

„We are making progress. Extreme poverty and child mortality rats are falling. Access to energy and to decent work is rising. (…) But let us be clear: we are far from where we need to be. We are off track“, konstatierte UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf dem ersten Treffen der Regierungschefs nach der Beschlussfassung 2019.

Da die Datenlage sehr uneinheitlich ist, sieht der aktuelle Überblick über die Zielerreichung sehr bunt aus:

grafik.png

Quelle: SDG-Index (abgerufen 28.07.2020)

Die größten Fortschritte haben die süd- und ostasiatischen Staaten gemacht. Die Industrieländer nehmen dagegen eine sehr ambivalente Position ein. Einerseits stehen sie in den Rankings zur absoluten Zielerreichung an der Spitze mit bis zu 85% (Dänemark, dicht gefolgt von Schweden). Gleichzeitig verursachen Konsumverhalten und Lebensstandards hohe ökologische und wirtschaftliche Kosten für Drittländer. Insbesondere bei den Indikatoren für Klimaschutz und nachhaltigem Konsum rangieren die OECD-Staaten ganz hinten. Es wird also maßgeblich an ihnen liegen, inwieweit die globalen Ziele erreicht werden können.

Die Bewertung der nationalen Strategie Deutschlands fällt sehr ähnlich aus, wie beispielsweise in einem Hintergrundpapier des Forum Umwelt und Entwicklung anlässlich der nächsten anstehenden Überarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung: Die politische Relevanz der Nachhaltigkeitsziele wird in der Praxis zu häufig nachgeordnet, insbesondere in der Agrar-, Handels- und Verkehrspolitik. Und es fehlen Indikatoren, die internationalen Auswirkungen dieser Entscheidungen zu messen.

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat einen negativen Impact auf nahezu alle SDGs. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF geht beispielsweise davon aus, dass bis Ende des Jahres durch die Pandemie zusätzliche 6,7 Millionen Kinder unter 5 Jahren von akuter Mangelernährung betroffen sein könnten.

Antonio Guterres hat in seiner Rede im gleichen Atemzug dazu aufgerufen, jetzt erst recht zu handeln. Der Apell richtet sich dabei nicht nur an die Regierungen, sondern explizit auch an Unternehmen, Forschung und NGOs. Neben einem breiten gesellschaftlichen Konsens als Grundlage für große Transformationen muss der Übergang zur Handlung auf verschiedenen Ebenen gefördert werden. Dafür wurde beispielsweise Uplink geschaffen, eine Crowdsourcing-Plattform für Innovationen auf der über die verschiedene Themenbereiche hinweg Ideen vorgestellt werden und globale Akteure sich vernetzen können (Direktlink zum Impact-Forum der Trillion Tree Campaign).

Weiterführende Links

Ich war sehr glücklich, als wir von unserem Partner Fairventures das Buch von Sarina Albeck geschickt bekommen haben. Was für eine willkommene Ablenkung und Möglichkeit, ein paar sozial distanzierte Stunden auf dem Sonnenbalkon zu verbringen – und dabei einiges zu lernen.

Sarina nähert sich in ihrem Buch den Fragen nach den Ursachen von Abholzung in Indonesien. Sie tut das sehr persönlich, ausgehend von dem Gefühl, dass wir alle kennen: Es ist nicht gut, was passiert – das sollte sich ändern. Aber was passiert eigentlich? Und warum? Dabei geht es ihr einerseits um den Wald, zu gleichen Teilen aber auch um die Menschen:

Für die Menschen gibt es in unserer Utopie erstaunlich wenig Platz. Manchmal tauchen sie am Rande auf: als Verlierer von Landrechtskonflikten oder als Handlanger von Konzernen bei der Rodung großer Waldflächen. Oder wir stellen sie uns als nomadisierende Naturvölker vor, die mit der Moderne nichts zu tun haben. Selten sehen wir sie als normale Menschen mit Bedürfnissen und Meinungen, Familien, die in Städten oder Dörfern leben, als Bauern, Wachleute, Lehrerinnen, Verkäuferinnen, Männer mit Motorrrad, Frauen mit einem nervigen Ehemann, mit einem kranken Kind, das zum Arzt muss, Menschen mit Lust auf Konsum (…).

Ich spitze natürlich zu. Und ich polemisiere. Trotzdem: Mein Eindruck ist, dass wir uns eine zu einfache Sicht auf ein komplexes Thema leisten. Eine Vereinfachtung, die nicht nur nichts nützt, sondern schadet.

Die Antwort, die sie als Konsequenz ihrer Überlegungen vorstellt, dreht sich um das Konzept von Fairventures Worldwide. Sie portraitiert Johannes Schwegler, der das gemeinnützige Unternehmen aufgebaut hat, das Kleinbauern auf der Insel Borneo dazu animiert und befähigt, Nutzwälder anzulegen. Warum kein natürlicher Regenwald? Weil damit die Ursachen ignoriert würden.

Dort, wo früher Regenwald war, gibt es heute in Kalimantan viele freie Flächen. Theoretisch könnten sie für den Ackerbau verwendet werden. Ab und zu geschieht dies auch, doch ohne befriedigende Ergebnisse. Die Hauptursache dafür ist der Zustand der ehemaligen Waldböden: Sie sind degradiert und kaum mehr fruchtbar. (…) Der Sengon ist der Protagonist dieser Geschichte.

Der Sengon ist ein Pionierbaum – eine Spezies, die auch unter ungünstigen Bedingungen wächst und den Boden für andere Pflanzen bereitet. So erhalten die Flächen wieder einen Wert: Zwischenfrüchte wie Erdnuss oder Kakao können angebaut werden. Und der Sengon wächst so schnell, dass er nach sieben bis zehn Jahren geschlagen werden kann.

Sarina stellt die Menschen vor, die sie getroffen hat und erzählt von dem, was sie und wie sie es verstanden hat. Sie vereinfacht, ohne unterkomplex zu werden und trägt viele Bausteine zusammen, aus denen sich Stück für Stück ein grobes Bild ergibt.

Die 170 locker bedruckten Seiten sind ein sehr guter Einstieg in die Problematik Abholzung, Regenwaldschutz und sinnvolle Aufforstung.

 

Sarina Albeck: Bäume für Borneo. Wie Aufforstung die indigene Bevölkerung schützt und den Klimawandel bekämpft. Oekom 2020, 19,00 €

 

Aufbauend auf der größten Meta-Analyse des globalen Nahrungsmittelsystems zeigt Hannah Ritchie von der Oxford University die Bedeutung der einzelnen Prozesschritte für den CO2-Fußabdruck von 29 Produkten – mit spannenden Ergebnissen:

  • Regionalität spielt beim Carbon Footprint der untersuchten Nahrungsmittel eine untergeordnete Rolle – er wird nur dann relevant, wenn statt per Schiff mit dem Flugzeug befördert wird. Das ist besonders bei leicht verderblichen Produkten wie Beeren, Spargel oder grünen Bohnen der Fall.
  • Der Hauptteil der Emissionen fällt auf die veränderte Bodennutzung (wo eine Weide ist, steht kein Wald) und die landwirtschaftlichen Prozesse (Methanausstoß insbesondere durch Rinder, aber auch Reispflanzen, Emissionen durch Dünger, Gülle und landwirtschaftliche Maschinen). Saisonaler Anbau in den Herkunftsländern ist deshalb sehr sinnvoll.
  • Absoluter Spitzenreiter ist Rindfleisch, wobei zwischen Fleisch aus Milchviehhaltung und reiner Fleischzucht unterschieden wird. Letzteres bringt dreimal soviel CO2 auf sein Konto wie das Fleisch der Milchkühe.
  • Für alle tierischen Produkte kommt immer noch ein beträchtlicher Anteil Emissionen für die Futtermittel hinzu. Von den 29 analysierten Nahrungsmitteln sind in der Hälfte mit dem größeren Fußabdruck die tierischen Produkte – und Schokolade, Kaffee, Palm-, Olivenöl und Reis.
  • Nüsse und Olivenöl bekommen für den Agroforstaufbau negative Emissionen angerechnet.
  • Verarbeitung, Transport, Einzelhandel und Verpackung machen zum Aktuellen Zeitpunkt einen relativ geringen Teil der Nahrungsmittelemissionen aus. Dafür stellt eine pflanzenbasierte Ernährung tatsächlich einen großen Unterschied dar.
  • Milch, Eier, Fisch, Geflügel- und Schweinefleisch verursachen etwa halb so viele Emissionen wie rotes Fleisch, Käse, Schokolade und Kaffee.

Wer noch genauer einsteigen möchte, findet hier die ausführlichen Ergebnisse der Analyse zu Umweltauswirkungen von Landwirtschaft und Nahrungsproduktion von Hannah Ritchie und Max Roser.

Das Schwierigste war es, die Setzlinge vom 100 km entfernten Chitipa nach Nthalire zu bringen, berichtet Madalitso von der St. Ignatius Secondary School in Malawi. Wegen der heftigen Regenfälle war die Straße zeitweise unbefahrbar: „There was even a time when we spend a night on the way because the vehicle was stuck. The experience of travelling was not so pleasing.“

Trotzdem haben sie es geschafft: 1450 Setzlinge wurden im Dezember rund um das Schulgelände gepflanzt: Obstbäume wie Banane, Mango, Papaya, Guave oder Avocado – sowie mit Eukalyptus, Kiefer, Senna und Cassia auch Zier- und Nutzholz. Die Pflanzen sollten das Schulgelände verschönern und sind gleichzeitig praktische Unterrichtseinheit für die Schüler. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Subsahara-Afrika zunehmend spürbar. Und Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Projekt ist ein Versuch, den Schülern die Veränderungen zu erklären und Strategien zu entwickeln, wie es möglich sein kann, sich anzupassen.

Die St. Ignatius ist eine von acht Schulen in Malawi, Sambia und Südafrika, die am Projekt Ein Baum in Afrika teilnehmen. Da alle Schulen andere Voraussetzungen haben, gibt es acht verschiedene Umsetzungen. Die Koordination erfolgt meistens über das lokale Pfadfindernetzwerk. Die Scouts schulen die Jungendlichen und gemeinsam mit dem Schulpersonal kümmern sie sich um Pflanzung, Pflege und Verwertung.

In St. Ignatius gibt es einen Wild Life Club, geleitet von den Lehrern für Geographie und Landwirtschaft. Rund 50 Schüler aus dieser AG haben an der Pflanzaktion teilgenommen. Jetzt muss sich zeigen, wieviele Setzlinge es durch die Trockenzeit schaffen.

Interview mit Markus Wolff von der Waldgenossenschaft Remscheid zu Status quo und Perspektive unseres Waldes.

Privater Waldbesitz ist in vielen Fällen durch Erbteilung zu Kleinstflächen auseinanderparzelliert – im Bergischen Land auf durchschnittlich unter zwei Hektar pro Eigentümer. Eine lohnende Bewirtschaftung ist damit kaum mehr möglich, so dass viele Walderben einen Ausweg in interessierten Käufern suchen. Dann finden sich unter anderem Investoren mit Kahlschlagplänen. Denn bis zu zwei Hektar dürfen in NRW ohne Genehmigungen entwaldet werden.

Um das zu unterbinden und den Wald stattdessen nachhaltig zu bewirtschaften, wurde vor 6 Jahren die Waldgenossenschaft Remscheid gegründet. Inzwischen bewirtschaftet sie ziemlich genau 70 Hektar Wald und zählt 232 Mitglieder – seit kurzem auch die Panterito Stiftung.

Markus Wolff ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft – und gleichzeitig Leiter des Remscheider Stadtforstamtes, denn erst ein Zusammenschluss macht für die Genossenschaft möglich, wovor Privatbesitzer kapitulieren. Er hat mit Kristina von Panterito über Zustand und Zukunft des Waldes gesprochen.

Herr Wolff, es wurde in den Medien viel berichtet über die Trockenheit, die Waldbrände, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald. Spüren Sie das an Ihren Waldflächen?

Selbstverständlich. Es gibt keinen Wald in Deutschland, in Europa, der aktuell nicht irgendwie sichtbar oder noch unsichtbar vom Klimawandel betroffen und damit auch gestresst ist.

Was sind die typischen Zeichen?

Vitalitätsminderung von Bäumen. Die sind einfach geschwächt. Drückt sich aus in Anfälligkeit gegenüber Schadorganismen, sie verlieren frühzeitig ihr Laub oder werden, wenn es Fichten oder andere Nadelhölzer sind, schnell trocken und dann braun.

Aber wir stehen noch relativ gut da. Das Bergische Land ist eins der Hauptschadgebiete in NRW. Ich hatte letzte Woche noch eine Führung mit einer Schulklasse in unserem Wald und da ist mir aufgefallen, dass wir aufgrund unserer Bewirtschaftungsform noch vergleichsweise gut bis sehr gut dastehen.

Was machen Sie anders?

Wir machen das nicht anders in der Waldgenossenschaft wie in unserem Stadtwald – beides wird sogenannt „naturgemäß“ bewirtschaftet. Das sind Kriterien der ANW, Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft, die unter anderem darauf setzt, den Wald zu frühzeitig verjüngen, dadurch mehr Struktur, mehr Vielfalt, mehr Mischung reinzubekommen und dann sind die Bäume einfach vitaler und widerstandsfähiger.

Was sind die größten Herausforderungen, die jetzt auf die Genossenschaft zukommen? Einerseits natürlich Anpassung an Klimawandel, aber auf der anderen Seite gibt es auch die Frage, wie eine Wirtschaftlichkeit erreichbar ist – oder ist das gar nicht der Fokus?

Natürlich, also Wirtschaftlichkeit im Sinne einer schwarzen Null. Das ist auch in Anbetracht des Holzpreisverfalls eine Herausforderung, gar keine Frage. Aber es deutet sich an, dass jetzt aufgrund dieser gesamtpolitischen Bewusstseinsänderung der Wald zunehmend in den Fokus kommt, und dass wir neue Märkte erschließen können. Dass wir beispielsweise für CO2-Speicherung Erträge erzielen können, dass wir für Ökosystemdienstleistungen zukünftig honoriert werden und für viele andere Dinge, wo man jetzt gespürt hat, dass es ohne Wald oder mit weniger Wald einfach nicht geht.

Erst Ende September beim „Nationalen Waldgipfel“ wurden vor Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner weitere Gelder in Millionenhöhe für die Beseitigung der Schäden zugesichert. Entscheidend ist jetzt, dass die dringend benötigten Mittel richtungsweisend eingesetzt werden. Wenn Gelder statt als Flächenpauschale an Maßnahmen für Ökosystemleistungen gekoppelt sind, fördern sie langfristig den Umbau von Industriewäldern in gesunde Ökosysteme, erklärt beispielsweise das 12-Punkte-Papier des NABU.